Über 600 Menschen am 5. Mai – wir waren bunt, laut, fröhlich und kämpferisch!
Behinderung ist Rebellion! Wir waren dabei. Wir waren viele. Und es geht weiter!
Am 5. Mai standen wir auf dem Sendlinger Tor Platz mitten in München – unter einem Himmel, der sich noch nicht entscheiden konnte, ob es Regen oder Sonne gibt.
Wir waren neugierig und erwartungsvoll auf die erste Demo & Tanzparade, die wir – zusammen mit vielen Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen – organisiert haben. Die Demo und Tanzparade „Behinderung ist Rebellion“.
600 Menschen, eine Rebellion
Was dann passierte, hat uns überrascht und unglaublich gefreut:
Der Platz hat sich innerhalb von einer halben Stunde komplett gefüllt – mit so vielen wundervollen Menschen, mit neuen und bekannten Gesichtern, mit Schildern, Bannern und Farben – bis wir ihn irgendwann ganz ausgefüllt haben mit unseren Körpern, unseren Stimmen und unserer Energie. Und sogar die Sonne kam heraus!
Ein Blick hinter die Kulissen
Mit rund 600 Menschen sind wir dann nach den Willkommens-worten und ersten Beiträgen durch die Straßen gezogen hinter dem Banner “Behinderung ist Rebellion!” – sichtbar, bunt, laut und lebendig!
An dieser Stelle ein kleiner Blick hinter die Kulissen: die finale Route hat uns das KVR erst am Tag der Demo/Tanzparade bestätigt. Dank einer absoluten Ausnahmegenehmigung durften wir durch die Fußgängerzone der Sendlinger Straße ziehen. Leider gab es ein Missverständnis mit den Polizeibeamt*innen, die vorausgelaufen sind und uns durch eine Seitenstraße mit Kopfsteinpflaster geführt haben. Das Kopfsteinpflaster war vor Allem für viele Menschen, die einen Rollstuhl nutzen sehr unangenehm – das tut uns leid und wir wollen es beim nächsten Mal vermeiden.
Bei der Abschlusskundgebung haben die Redner*innen ihren Mut, Kampfgeist und ihre wichtigen und klaren Worte über den Marienplatz tönen lassen. Und wir haben gemeinsam im Sonnenuntergang vor dem Rathaus getanzt.
Auch der Radiosender Radio Lora war dabei und hat uns zu unseren Beweggründen interviewt – den kurzen Beitrag könnt ihr hier hören:
Radiobeitrag Radio Lora

Danke – von Herzen
Danke, an all die Menschen, die dabei waren – in Person oder in Gedanken & im Herzen.
Danke für eure Unterstützung, eure Energie und eure Perspektiven.
Danke an die Redner*innen:
- Chris Lily Kiermeier von sexabled
- Meine.Deine.Unsere.Stimme von Ability Aid
- Ricarda Marx
- Juliana und Samuel von Gemeinwohlwohnen
Danke an die Bands & Performer*innen:
- ExpressBrassBand
- Banda Ramua
- DruamaDama
- Community Dance Munich.
Danke an die Mitorganisator*innen & Unterstützer*innen:
- Downkind e.V.
- Daniela Maier (Behindertenbeauftragte München)
- ZIRKEL e.V.
- Köşk München
- AbilityAid von ArrivalAid
- Kreisjugendring München
- LAG Selbsthilfe Bayern
- Retina Blind Vision
Die, die nicht kommen konnten
Wir möchten auch benennen, dass es Menschen mit Behinderung gibt, die so um ihre Selbstbestimmung und ihre Existenzgrundlage kämpfen müssen, dass es ihnen nicht möglich war zu kommen.
So erreichten uns zum Beispiel diese Worte von einer Person, Behinderung die in München lebt:
„Wenn heute diese Veranstaltung und Tanzparade von Gemeinwohlwohnen stattfindet, ist es so, dass es Menschen mit Behinderung in München gibt, die so um ihre Existenz und ihr Recht auf Selbstbestimmung und um ertragbare Lebensbedingungen bei den Kostenträgern kämpfen müssen, dass sie gar nicht die Kraft und Zeit haben teilzunehmen. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Münchner*innen auch eine Stimme geben und auf deren Situation hinweisen. Diese Menschen können nicht tanzen, nicht protestieren und nicht teilhaben, sind schwersten Belastungen ausgesetzt und fürchten zum Teil jeden Tag um ihre Existenz.“
Während viele Menschen mit Behinderung, bereits um ihre Existenzgrundlage kämpfen, plant die Bundesregierung aktuell die Selbstbestimmung noch weiter einzuschränken.
„Wir erleben gerade den größten strukturellen Angriff auf den Sozialstaat und damit auf die Rechte von Menschen mit Behinderung und chronisch kranken Menschen in der Geschichte der Bundesrepublik.“
– Rednerin Chris Lily Kiermeier

Um diese Gesetze geht es
1. Eine geheime Streich-liste aus dem Kanzleramt
…plant massive Kürzungen bei der Eingliederungshilfe: Schulbegleitung, Selbstbestimmung und Alltagshilfen – über 8,6 Milliarden Euro.
2. Das neue BGG (Behinderten-gleichstellungs-gesetz)
…sollte endlich Barrierefreiheit bringen – erlaubt Firmen aber per Gesetz, Barrieren zu behalten. Ein „Etikettenschwindel.“ Die finale Abstimmung kommt noch vor Pfingsten.
3. 300.000 Menschen arbeiten in Werkstätten
für ca. 2€ pro Stunde. Der Mindestlohn gilt für sie nicht – obwohl die Werkstätten 8 Milliarden Umsatz machen. Die Gesellschaft fürFreiheitsrechte und Raul Krauthausen mit Sozialhelten klagen gerade dagegen vor Gericht.
Und was du jetzt tun kannst
1️⃣ Die Petition 195716 unterschreiben (bis 25. Mai!) – gegen die Kürzungen der Eingliederungshilfe
2️⃣ Brief an Abgeordnete schreiben, um das BGG anzupassen und Barrierefreiheit zur Pflicht zu machen: www.barrierefreiheitsgesetz.org
3️⃣ Die Klage für faire Löhne in Werkstätten finanziell unterstützen: www.freiheitsrechte.org
Teilhabe ist Menschenrecht. 💙
Wenn ihr euch vernetzen wollt, kommt in unsere Signal-Gruppe. Dort können wir uns austauschen über Veranstaltungen, Petitionen, Aktionen und Inklusions-Themen.
Signal-Gruppe: Behinderung ist Rebelllion
Gemeinsam sind wir stark!
GemeinWohlWohnen e.V.
